Stabdeck für d. Elvström-Finn G 1484

Fischkopp

Stabdeck für d. Elvström-Finn G 1484

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Hallo Uwe, Ger282,
ich habe ein altes Elvström auf meinem OP-Tisch und jetzt, wo die Tage draußen etwas wärmer werden, bin ich dabei, das Boot wieder ansehnlich zu machen. Ich bin übrigens, als betagter Fahrtensegler, zum Finn-Dinghy gekommen, weil es für mein altes Hochseeseglerauge eben ein richtiges kleines Schiffchen ist, so richtig stämmig und knuffig. Ich habe mich auf den ersten Blick in das Bootchen verliebt und kann mich da dem Bernd Neumann Ger143 mit seinem Artikel nur anschließen. Überhaupt ist sein mit Augenmaß geschriebener Beitrafg sehr lesenswert, nicht nur für Anfänger, finde ich.
Also zurück zu meinem Finn.
Es war schon in einem beklagenswerten Zustand, als ich es im Herbst letzten Jahres kaufte. Die Längsstringer teilweise abgerissen, das Ruder mit dicken Blasen unter dem Gelcoat, unter den PussyPads das Gelcoat bis in die Glasmatten hinein gerissen,teilweise zerbröselt und - noch schlimmer- stümperhaft repariert. Hier ein bisschen Uhu-Plus und da ein bisschen
Silikonkautschuk. Nun ja, es ist wohl nicht jedem gegeben.
Der Alu-Mast lag da, mit losem Führungsring und die Keep schlotterte auch nur noch in ein paar losen Nieten. Das Arbeitsdeck und die Ausreitgurte waren auch nicht gerade eine Augenweide.
Aber : Der Rumpf war allererste Sahne, kaum ein Kratzer und frei von Havarie.
Also ran an den Speck. Da ich, ausser im Verein, keine Regatten segeln will, soll das Boot einfach nur technisch einwandfrei werden und so elegant aussehen, dass es das Seemannsherz- und Auge erfreut.
Das Boot bekommt Sogar ein Teakdeck mit Schandeck aus Sapeli-Mahagoni. Aus Gewichtsgründen natürlich nur 2,5 mm stark. So richtig eingebuttet wie es sich gehört.
Regattafexen die sich jetzt angewidert abwenden, wünsche ich weiterhin einen schönen Tag.
Wie weit ich bin?
Also die Längsstringer habe ich inzwischen wieder fest, was gar nicht wenig Arbeit war. Ganz abreißen wollte ich sie nicht. Da macht man mehr kaputt als man reparieren kann. In den schmalen Spalt habe ich also Holzkeilchen gedrückt und dann, mit einem alten Stahlbandmaß (Metallsägeblatt geht zur Not auch), und Schmirgelleinen (kein Papier! Ihr werdet sonst wahnsinnig) ran an den Feind. Immer schön gib ihm. Der Zeigefinger muß anschließend ca. 45 Grad nach oben zeigen. Runter mit dem Coat, bis auf die Glasmatten. Mundschutz nicht vergessen, auch nicht bei kleinen Arbeiten!
Anschließend die Stringer von unten abschleifen. Federt schön. Mistarbeit. Wenn man meint fertig zu sein: noch ein bisschen schleifen. Dann Epoxy mit langen Fasern anrühren, der Kenner weiß warum, und hinein damit in die Spalten. Vorher natürlich sauber abkleben: je mehr ihr euch vorher Mühe gebt, desto erfreulicher ist das Ergebnis. (Es ist wie mit den Frauen.) Anschließend Küchenpapier drüberlegen, wegen weil da nichts anhaftet, und Sandsäcke drauf. Aber mit Augenmaß bitte. Nicht zu schwere. Und nehmt Plastiksäcke, so 20 l, halbvoll. Und blitzsauber müssen sie sein. Jedes Sandkorn was außen dran hängt habt ihr sonst evtl. in das Boot geklebt.
Woher kommt wohl der Ausdruck "Drecksack"?
Ja,ja, ist ja gut. Ich weiß schon was Ihr sagen wollt. Aber Bootsbau und Reparatur ist nun mal pingelig. Schön aushärten lassen. Lieber einen Tag länger.
Dat is ja nich einfach "schiet da man hin" - dat schall ja ok stinken!
(So sagen wir Friesen)
Und dann, liebe Freunde, wenn ihr schließlich die Säcke wieder rausnehmt und auch keine Sauerei an dem Backpapier hängt (weil ihr natürlich doch viel zu viel Epoxy reingeschmiert habt) dann: ja, dann durchströmt euch das unbeschreibliche Gefühl wie himmlischer Zauber, nämlich etwas richtig gut gemacht zu haben und dass die Arbeit nicht umsonst war.
Na? Zu viel KleinKlein? Ist ja nur ein bisschen Lesestoff für den Winter.
Ansonsten, wenn da jemand ist, den es wirklich interessiert, dann mailt mich man mal an.
So, nu ist good. De Sünn schient un ich mutt an mien Boot.
Tschüß zusammen.
Euer Rolf
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duke62
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Re: Winterdienst

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Hallo Fischkopp,
das hört sich ja schon ganz gut an, was du da mit deinem Finn so anfängst und ein Holzdeck wird dich optisch ziemlich nach vorne bringen. :) Es würde mich freuen, wenn es ein Paar Bilder deiner Bemühungen im Forum gäbe.

Frohes Schaffen, Ahoi
Uwe G282

Guest

Re: Winterdienst

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Hallo Uwe-Ger282 and all other readers,
meine Erfahrung mit Abbeize ist schon 30 Jahre her. Damals restaurierte ich eine alte Theke aus Eiche/Lärche mit X Anstrichen. Erstens erzeugt man dabei eine grandiose Sauerei und zweitens wurde das Holz an der Oberfläche faserig. Auf jeden Fall rate ich dir, es erst einmal an einem kleinen Stück wo´s nicht auffällt wenn es daneben geht, zu probieren.
Ich habe mir deinen Beitrag Ger282 mal angesehen. Mein lieber Mann. Alle Achtung. Schade, dass Du so weit weg wohnst, sonst würde ich Dich gern einmal kennenlernen.
Auf deinen Anstoß hin, ein paar Bildchen zu zeigen, habe ich mal eine kleine Auswahl zusammengestellt.
Ich bin mein Leben lang in Entwicklungsbüros herumgeschlichen und hatte die letzten 9 Jahre selbst eine kleine Firma für CAD-engineering. Was macht so ein Typ natürlich als erstes? Richtig. Eine Zeichnung. War zwar eine Menge Arbeit, Das Bootchen in den Rechner zu bekommen, aber die Arbeit lohnt sich doch. Man kann ziemlich genau den Bedarf an Holz planen. Das ist bei den heutigen Preisen für Teak und Mahagoni schon wichtig.
- Zeichnung Chippy.jpg
Die braunen Teile sind das Schandeck. Das sind die Seitenteile des Decks, das gezackt ausgearbeitet wird und in das die Stabdeckleisten eingepasst (eingebuttet) werden.
Wichtig sind natürlich die Schablonen, die man direkt am Boot aus Karton anfertigt.
- Schablone Stabdeck totale.JPG
- Schablone Stabdeck.JPG
- Blätter-Schablonen-totale.JPG
- Blätter-Schablonen-umnagelt.JPG
So, mehr Bildchen kann ich nicht senden. Also weiter geht´s mit der folgenden Mail.
Hoffentlich interessiert das überhaupt jemanden.
Also, bis gleich
Tchüß zusammen,
Euer Rolf

Fischkopp

Re: Winterdienst

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Hallo Uwe-Ger282 and all other readers,
hier also die Fortsetzung.
Die Furnierblätter sind ja nur 2,5 mm dick und dürfen auf keinen Fall beim Sägen mit der Stichsäge flattern. Daher habe ich sie, dicht um die Schablonen herum, mit kleinen Nägelchen auf die Unterlage aus 5 mm Sperrholz geheftet.
- Sägeblätter reverse.JPG
Damit der Schneiddruck die Furnierblätter auf die Unterlage drückt sind die Reverse-Sägeblätter zu empfehlen. Die haben verkehrtrumme Zähne. Schon klar, oder?
- Aussägen Gewichte.JPG
Zum Aussägen muss man sich mit irgendwelchen Gewichten behelfen, da man ja nahe an der Werktischkante sägt und das sperrige Paket häufig verschieben muss.
- Schandeck achtern 3tlg.JPG
- Schandeck achtern.JPG
Die ganze Sägerei ist wirklich etwas mühselig. Wer da nicht wirklich aufmerksam bleibt, der erlebt evtl. eine böse Überraschung.
Der Supergau ist zB. die Stichsäge mit laufendem Motor aus dem Schnittkanal zu heben. Klar, weiß jeder. Aber die Sägerei und die andauernde Konzentration lullen ein. Kinners, das darf nicht passieren, weil es sich ja um wirklich teures Edelholz handelt.
Es genügt schon ein kurzes versehentliches Anheben der Maschine. Es folgt sofort die Höchststrafe ohne Bewährung, namlich Kleinholz. Ich vermeide das, indem ich den Schlitten der Stichsäge vorne mit dem Daumen herunterdrücke und mit dem Zeigefinger unter dem Holzpaket mitfahre. Direkt neben dem rasenden Sägeblatt.
Oh nee, das hätt´ich wohl besser nicht gesagt. Da kann man zwar sehr präzise und fehlerfrei sägen aber es ist nichts für Anfänger. (Eigentlich auch nichts für Fortgeschrittene!!) Tja, so is dat woll.
Also: Auf keinen Fall meinen Rat befolgen. (macht mir bloß keinen Kummer!)
So sieht das fertiggeschnittene Bb. und Stb. - Schandeck für das Vordeck aus.
So. Nu is oberst good. Mal mutt ick jo ok wat eten.
Also bis nachher
Tchüß zusammen,
Euer Rolf

Fischkopp

Re: Restaurierung Elvström Finn G 1484 - Teakdeck

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Hallo Uwe-Ger282 and all other readers,
hier also die 4te Fortsetzung.
- Schandeck gesägt.JPG
Wie es immer so ist, schiebt man natürlich das komplizierteste Teil bis zum Schluss vor sich her.
Die Teile sind immerhin 120 cm lang und nur 0,25 cm dick. Da muss man beim Sägen schön aufmerksam sein : immer wieder die Maschine abstellen und die Teile mit Klebeband fixieren. Denkt an meine Warnungen aus der vorigen Fortsetzung. Damit die Teile auch nach dem Sägen zusammenbleiben und durch das mitausgesägte Sperrholz ein wenig geschützt sind, habe ich vorn und hinten ein kleines Auge mit einem Nagel drin, stehen lassen.
- Schandeck1Nagel.JPG
Da bisher alles ganz gut gelaufen ist, kann man schon mal ein bisschen aufräumen, das Boot ´runterfieren, die Teile auf dem Vordeck drapieren und das Auge wohlgefällig über die getane Arbeit schweifen lassen.
Das Ganze sieht nämlich inzwischen schon so aus.
- Schandeck.JPG
Der Kenner sieht natürlich, dass das breitere Mittelstück aus Mahagoni fehlt. Das wird ganz zuletzt eingepaßt, wenn die Stabdeckleisten schon eingebuttet sind. Mit dem breiten Teil kann man noch kleinere Ungenauigkeiten in der Fluchtung der Teakstäbe ausgleichen, da sieht man keinen Parallelitätsfehler von 1 oder 2 mm. Die Nuten zwischen den Teakstäben, die später mit schwarzer Vergußmasse ausgefüllt werden, würden mit einem solchen Fehler aber grauenhaft aussehen.
Die Scheuerleiste fehlt auch noch, genauso das Arbeitsdeck aus Teak-Wegerungsleisten.
Um mit Bömmel aus der Feuerzangenbowle zu reden : Dat krieje mer später.
Zum Abschluss noch ein paar Bilder von meiner kleinen "Werft" und von mir.
- Chippy von achtern.JPG
- Fischkopp beim Frühstück.JPG
Morgen werden die Stabdeckleisten zugesägt. Da hebb ick keen Tied.

Tchüß zusammen,
Euer Rolf

Fischkopp

Re: Restaurierung Elvström Finn G 1484 - Teakdeck

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Hallo ihr Teerjacken,
also wer bis hierher unverdrossen gelesen hat, ist auch geduldig genug, ein Finn-Dinghy zu restaurieren.
Na denn : Weiter im Text.
Gestern habe ich die Rohlinge für die Stabdeckleisten angefertigt. Das Aussägen der 4,5cm breiten Streifen aus den 3m langen Blättern (ca. 20cm breit) hat unser Schreiner mit seiner Maschine gemacht. Das habe ich meinen Bordmitteln denn doch nicht zugetraut. Da ja in Richtung der Fasern gesägt wird braucht man schon Profiwerkzeug. Trotz neuen Sägeblatts hat ein Sägeversuch mit meiner Kreissäge gezeigt, dass der Schnitt nicht sauber wurde und kleine Bröckchen abplatzten.
So, da liegen sie, die Rohlinge.
- Stabdeck Rohlinge.jpg
Haufen Holz, was?
Die Schräge zum Einbutten fängt bei 1/3 der Stabbreite an. So macht man das eben im Bootsbau. Der Winkel ergibt sich automatsch durch die Kurve des Oberdecks.
Da ziemlich genau gearbeitet werden muß und Fehler sehr teuer werden, ist die nötige Vorsicht geboten.
Also nochmal nachprüfen ob die Stabdeckschablone auch wirklich paßt
- Vertrauen ist gut -1.jpg
- Kontrolle ist besser.jpg
Das muß alles saugend ineinandergehen.
Wenn alles stimmt, können die Schrägen von der Schablone auf die Leisten übertragen werden. Jeden Stab numerieren und nach Bb und Stb getrennt ablegen.
Das ist deshalb wichtig, weil die Formunterschiede so gering sind, dass man sie mit bloßem Auge nicht sieht. Beim Verkleben muß es schnell und sicher gehen und ausprobieren ist nicht mehr möglich.
Und : auf die Rückseite schreiben und niemals mit Filzschreiber! Klar warum. Und nicht auf das kleine Teil, was man dann absägt!! Ja, lacht nur. Ich versuche nur, euch Lehrgeld zu ersparen.
- Anzeichnen der Stäbe.jpg
Danach könnt ihr daran gehen, mit einem Teppichmesser die Schrägen abzuschneiden. Auch hier wieder: nicht zu hart rangehen. Sorgfältig arbeiten. Das Messer so sanft führen, dass mindestens 5 bis 10 Schnitte erforderlich sind. Und ganz besonders aufpassen wenn ihr fast durch seid, weil dann knaxt es gerne weg.
- Kappen der Stäbe.JPG
Weiter geht´s in der Fortsetzung.
Tschüß zusammen
Euer Rolf

Fischkopp

Re: Restaurierung Elvström Finn G 1484 - Teakdeck

Unread post by Fischkopp »

Hallo ihr Teerjacken,
weiter geht´s, keine Müdigkeit vorschützen!
Wenn ihr eine Seite fertig habt, könnt ihr die Stäbe ja mal übereinanderlegen. Das muß dann aussehen wie ein Skatblatt.
- Stabdeckrohlinge gekappt.jpg
Wenn es dann richtig gut aussieht, nichts weggesplittert ist und die Winkel alle ganz leidlich stimmen, dann solltet ihr euch mal wieder ein gutes Jever Pils gönnen. (Tut mal was für meine Heimat!). Es ist ein gutes Gefühl, oder?
Jetzt kommt der schönste Teil beim Abrichten der Stäbe: Das Schleifen der Schnittkanten. Natürlich ist der Messerschnitt nicht ganz sauber, da könnt ihr noch so pingelig arbeiten. Also gut Abstand zum Strich halten. Gut 1,5 bis 2 mm. Das schleift ihr dann mit der Abrichtschleifmaschine herunter, geht ganz leicht.
Ganz im Vertrauen, das Gerät, was es als Zusatz für die Bohrmaschine gibt (in jedem Baumarkt, zB. von Wolfcraft) ist das beste Werkzeug was es für so Bastler wie uns gibt. Ohne das Ding ist alles viel schwieriger. Es kostet gar nicht viel und spart Schweiß und Nerven. Man kann damit Gehrungen und Winkel schleifen und dabei fast so genau arbeiten wie ein Profi. Wirklich Spitze.
Hier seht ihr wie´s gemacht wird.
- Stäbe schleifen 1.jpg
- Stäbe schleifen 2.jpg
Auch hier wieder, aber das kennt ihr ja schon, schön sinnig arbeiten. Keine Hektik aber auch nicht einlullen lassen. Die Abrichtschleife nimmt mühelos das Holz weg, als wäre es Butter. Leider auch da wo ihr es vielleicht gar nicht wolltet. Eine kleine Gemeinheit hat die Maschine : rechts dreht sie hoch, links runter. Tja, so isses eben. Den Fehler, das zu vergessen, macht man aber nur einmal. Höchstens zweimal
Übrigens, weil ich ja beim Schreiner war, habe ich die neuen Scheuerleisten von ihm fräsen lassen. Die sehen dann so aus.
- Scheuerleiste aus Teak.jpg
Als nächstes ist das Verkleben des Decks dran, aber bis dahin müssen alle Stabdeckleisten zugerichtet werden, das dauert noch etwas.
Bis zum Ansegeln ist es ja noch ein bisschen Zeit. Tröstlich.
Bis dann,
Tschüß zusammen,
Euer Rolf

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